Manchmal ist es sch*** anstrengend

Letzte Woche hat mir eine Kundin erzählt, dass sie seit Beginn unserer Coaching-Zusammenarbeit unglaublich viel über sich selbst gelernt hat – über ihre Bedürfnisse, ihre Muster, ihre Grenzen. Darüber, was ihr guttut und was nicht. Und gleichzeitig sagte sie: „Aber ganz ehrlich, Katharina: Manchmal finde ich das alles einfach scheiße anstrengend.

Und ich dachte: Ja! Ist es! Und darüber wird viel zu selten gesprochen.

Die andere Seite von Persönlichkeitsentwicklung

Als ich angefangen habe, mich mit Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen, wurde sie mir oft so beschrieben: Eine wunderschöne Reise, auf der ich entspannt entlangspaziere, immer mehr bei mir ankomme, mein volles Potenzial entfalte und irgendwann selbstbewusst mein Leben rocke.

Was ich teilweise auf die harte Tour gelernt habe, weil fast keiner darüber redet: Diese Reise erfordert viel Mut und kann manchmal verdammt anstrengend sein. Denn wenn wir anfangen, uns wirklich mit uns selbst auseinanderzusetzen, schauen wir eben nicht nur auf die schönen Seiten.

Wir entdecken, wo wir uns selbst immer wieder übergehen. Wo wir zu viel leisten. Wo alte Muster, die uns irgendwann geholfen haben, heute unser Leben bestimmen. Wo wir unsere Bedürfnisse hinten anstellen. Wo wir Konflikte vermeiden. Wo wir verletzbar sind.

Kurz gesagt: Wir entdecken Dinge, die wir nicht ohne Grund teils jahrelang schön verdrängt und lieber nicht angeschaut haben. Und sich dem zu stellen kann sich nach verdammt harter Arbeit anfühlen.

Veränderung ist Arbeit für das Nervensystem

Auch aus Sicht des Nervensystems ist das logisch: Wenn wir etwas verändern, verlassen wir Bekanntes – doch unser Nervensystem liebt Bekanntes. Nicht unbedingt, weil es gut für uns ist, sondern weil es vorhersehbar und damit sicher ist.

Wenn Du jahrelang auf eine bestimmte Art funktioniert hast und plötzlich beginnst, Dinge anders zu machen, bringt das Unsicherheit in Deinen Alltag. Und Dein Nervensystem kann darauf erst einmal mit Unruhe oder Alarm reagieren – auch wenn die Veränderung objektiv gut für Dich ist.

Du setzt vielleicht zum ersten Mal eine Grenze und fühlst Dich danach schuldig. Du hörst auf, ständig zu funktionieren, und fühlst Dich erst einmal orientierungslos. Du erlaubst Dir, Deine Bedürfnisse ernst zu nehmen, und stellst fest, wie viel Du vorher weggedrückt hast.

Es muss sich nicht sofort gut anfühlen

Das bedeutet nicht, dass Du auf dem falschen Weg bist. Dein System braucht einfach Zeit, um das Neue kennenzulernen und zu erleben, dass keine Gefahr davon ausgeht – sondern dass diese Veränderung Deinen Alltag im Gegenteil schöner machen kann.

Was hilft also, wenn Persönlichkeitsentwicklung gerade einfach scheiße anstrengend ist (wie meine Kundin es so schön ausdrückte)?

1. Gönn Dir Pausen.

Du musst nicht ununterbrochen an Dir arbeiten.  Manchmal ist das, was Du brauchst, nicht die nächste Erkenntnis, das nächste Buch oder die nächste Übung – sondern eine Pause.

Mach etwas, das Dir Freude bringt. Geh raus. Triff Menschen, die Dir guttun. Schlaf. Lach. Tanz. Tu etwas völlig Sinnloses. Denn Regeneration ist kein Rückschritt, sondern Teil der Entwicklung.

2. Sei liebevoll mit Dir.

Wenn Du gerade merkst, dass Du Dich mit etwas schwertust, musst Du Dich dafür nicht auch noch fertig machen. Du darfst sagen: „Okay. Das ist gerade schwierig für mich.“

Ohne Bewertung. Ohne „Ich müsste doch eigentlich schon weiter sein“. Mein Tipp: Rede so mit Dir, wie Du mit Deinem Lieblingsmenschen sprechen würdest, wenn er oder sie mit dieser Herausforderung zu Dir kommt (denn zu anderen sind wir meist viel netter und verständnisvoller als zu uns selbst).

3. Feiere die Zwischenschritte.

Persönlichkeitsentwicklung passiert selten in diesen großen, spektakulären Momenten, in denen plötzlich alles anders ist. Sie passiert in den kleinen, ganz alltäglichen Momenten.

Wenn Du einmal Nein sagst.  Wenn Du früher bemerkst, dass Deine Energie leer ist. Wenn Du Dich traust, ein schwieriges Thema anzusprechen. Wenn Du Dich nicht mehr für Deine Bedürfnisse entschuldigst. Das sind Deine Fortschritte.

Und die dürfen gefeiert werden! Du musst nicht erst am Ziel angekommen sein, um stolz auf Dich zu sein. Wenn wir immer nur sehen, was noch nicht funktioniert, übersehen wir leicht, wie viel sich längst verändert hat.

Die wichtigste Erinnerung

Persönlichkeitsentwicklung darf anstrengend sein. Sie darf herausfordern und manchmal sogar wehtun. Aber sie darf auch Spaß machen.

Denn Du bist kein Projekt, das irgendwann fertig sein muss. Und Du bist auch kein Gegenstand, der in einen Optimalzustand gebracht werden muss. Du bist ein lebendiger Mensch, der sich ein Leben lang weiterentwickeln darf.

Dein Weg ist das Ziel. Genieß ihn 🧡

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