Wie Du Deinen Atem als Energiequelle nutzen kannst

Der Atem ist die Stimme des Lebens“ – Teebeutelweisheit

Deine Atmung ist einer der natürlichsten, unscheinbarsten Prozesse der Welt – und doch kann sie so viel mehr, als nur Deinen Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Denn der Atem ist die direkte Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele: Über ihn drücken sich Wohlbefinden, Stimmung und Emotionen aus. Die gute Nachricht: Die Atmung lässt sich bewusst steuern, und dadurch kannst Du auch Dein physisches, mentales und emotionales Befinden positiv beeinflussen und Deinen Alltag mit mehr Lebensenergie nach Deinen Vorstellungen gestalten.

Lerne in diesem Artikel:

  • Was Atmung ist und wie sie funktioniert
  • Was die mental/emotionale Komponente der Atmung ist
  • Warum und wie Du Deine Atmung steuern kannst
  • Drei Atemübungen, die Du direkt ausprobieren kannst
  • Vier konkrete Tipps für den Alltag, um Deine Atmung bewusst einzusetzen
  • Fünf Fun Facts zum Abschluss

Atmung: Die Quelle für Lebensenergie

Atmung bedeutet Leben. Vom allerersten Schrei direkt nach der Geburt bis zum sprichwörtlich letzten Atemzug begleitet sie Dich Dein ganzes Leben lang. Ohne Luft ist kein Überleben möglich, auch nicht für kurze Zeit (ganz im Gegensatz zu Wasser oder Nahrung). Die Atmung ist damit Deine primäre Quelle für Lebensenergie.

Physisch betrachtet findet in der Lunge ein Gasaustausch statt: Dein Körper nimmt Sauerstoff auf, mit dem in den Zellen Energie gewonnen wird, und gibt Kohlenstoffdioxid ab, was ein Abfallprodukt des Organismus ist. Der Körper braucht kontinuierlich Sauerstoff, kann ihn jedoch nicht speichern – deswegen musst Du fortwährend atmen. Du nimmst also ständig beim Einatmen neue Energie auf und reinigst beim Ausatmen Deinen Körper.

Die Atmung ist jedoch nicht nur ein körperlicher Prozess, sondern sie hat auch eine mental-emotionale Komponente: Sie ist das Spiegelbild von Körper, Geist und Seele. Bist Du zum Beispiel entspannt, atmest Du tief und ruhig, wenn Du Dich körperlich anstrengst, erhöht sich Deine Atemfrequenz, und wenn Du gestresst bist oder Angst hast, atmest Du nur noch sehr flach. Deine Atmung zeigt Dir also immer direkt, wie es Dir gerade geht – auch wenn Deinem Verstand das vielleicht gar nicht so bewusst ist.

Die Atmung ist auch der direkte Weg, ganz im Hier und Jetzt anzukommen. Zu oft analysieren unsere Gedanken die Vergangenheit, machen sich über die Zukunft Sorgen, oder wollen fünf Dinge gleichzeitig erledigen. Dadurch entwertest Du die Gegenwart und bist tendenziell eher unzufrieden. Sobald Du Dich jedoch auf Deinen Atem konzentrierst, bist Du ganz im Hier und Jetzt angekommen. Dein Geist beruhigt sich und Du kannst den Augenblick präsent genießen.

Mit dem Atem jederzeit das Wohlbefinden beeinflussen

Die Atmung wird im Normalzustand von Deinem vegetativen Nervensystem gesteuert. Das passiert ganz automatisch, Du musst nichts dafür tun. Du kannst jedoch Deine Atmung auch bewusst steuern (sie ist die einzige autonome Grundfunktion Deines Körpers, bei der das funktioniert – im Gegensatz zum Herzschlag, zum Beispiel), und damit steht Dir ein unglaublich kraftvolles Instrument zur Verfügung. Denn wenn Du über Dein Gehirn den Atem steuern kannst, hat umgekehrt der auch Atem eine Wirkung auf Deine Gehirnleistung!

So kannst Du durch bewusste Atmung Dein vegetatives Nervensystem beeinflussen und Dir dadurch zum Beispiel neue Energie schenken, Stress lindern, oder Anspannung abbauen. Noch dazu hast Du Deinen Atem immer mit dabei, er ist damit eines der großartigsten Werkzeuge, die Dir zur Verfügung stehen, um Dein Wohlbefinden zu jeder Zeit und an jedem Ort direkt zu beeinflussen.

Die richtige Atmung – gibt es nicht!

Wichtig ist: Es gibt kein „richtiges“ Atmen. Jeder Erwachsene atmet ca. 12 bis 15 Mal pro Minute, das Atemmuster ist dabei jedoch so individuell wie Dein Fingerabdruck: Niemand atmet genauso wie Du, von daher gibt es auch nicht die „perfekte“ oder „richtige“ Atmung.

Allerdings haben viele von uns verlernt, ihre Atmung richtig zu nutzen: Im entspannten Zustand atmet man normalerweise automatisch in den Bauchraum ein. Unsere moderne Welt ist jedoch geprägt von Dauer-Berieselung und Stress, richtige Entspannung findet nur noch selten statt. Das führt bei vielen Menschen dazu, dass sie nur noch sehr flach in den oberen Brustkorb atmen und somit regelmäßig nur einen kleinen Teil ihrer Lungenkapazität nutzen.

Entspannte Bauchatmung Flache Brustatmung
  • Stimuliert die inneren Organe
  • Unterstützt das Immunsystem
  • Fördert die Durchblutung und Verdauung
  • Beruhigt und stabilisiert den Geist
  • Wirkt positiv auf die seelische Verfassung
  • Beeinflusst das vegetative Nervensystem negativ
  • Lässt Herzschlag und Blutdruck steigen
  • Versetzt Geist und Seele in einen Stresszustand

Die gute Nachricht: Du kannst Deinen Atem trainieren und stärken, und zwar durch regelmäßige Atemübungen. Die Lunge ist zwar kein Muskel, doch regelmäßige Übungen stärken und dehnen sie trotzdem. Indem Du Dich immer wieder mit Deinem Atem beschäftigst, kannst Du eine Beziehung zu ihm aufbauen und ihn dann ganz bewusst einsetzen, um mit viel Kraft und Energie Deinen Alltag nach Deinen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten!

Normale Bauchatmung üben

Es reicht schon, wenn Du Dir zu Beginn ein paar Mal pro Tag Zeit nimmst, bewusst tief in den Bauch zu atmen. Und das geht so: Stell Dir vor, Du atmest tief in Deinen Bauch ein (natürlich atmest Du auch bei dieser Atmung nur in Deine Lungen, aber die Vorstellung hilft). Dabei wölbt sich Deine Bauchdecke nach vorne (denn Dein Zwerchfell flacht ab und schiebt dadurch Deine Organe nach unten, was mehr Raum für die Lunge schafft). Wichtig ist dann das ganz bewusste Ausatmen. Bei einem normalen Atemzug verbleibt immer etwas Rest-Luft in den Lungen. Zieh das Ausatmen bewusst in die Länge und stell Dir vor, Du schiebst die Luft aus den Lungen. Je mehr Du ausatmest, desto mehr Platz schaffst Du für neue Energie. Du wirst merken, der nächste Atemzug wird sich schon viel tiefer anfühlen!

Drei Atemübungen zum Ausprobieren

Darüber hinaus gibt es unzählige Atemübungen, mit denen Du auf ganz bestimmte Ziele hinarbeiten kannst, und die Dich in ganz bestimmten Situationen unterstützen können. Zum Beispiel kannst Du Dir mit einigen Techniken neue Energie schenken, andere wiederum helfen Dir, gezielt zu entspannen, und wieder andere fördern Deine Konzentration oder unterstützen den Reinigungsprozess Deines Körpers.

Drei Atemübungen möchte ich Dir im Folgenden vorstellen. Weitere Beispiele findest Du auf meinem YouTube-Kanal! Mach direkt mit!

Mehr Energie: Der Atem der Freude

Der Atem der Freude ist eine dynamische Atemübung, mit der Du Dir frische Energie schenkst und gleichzeitig Anspannung loslässt. Außerdem zaubert sie ein Lächeln auf Deine Lippen :). Ideal morgens nach dem Aufwachen oder auch während des Tages, wenn Du einen Energieschub brauchst!

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Mehr Entspannung: Die Piko-Piko-Atmung

Die Piko-Piko-Atmung kommt ursprünglich aus der hawaiianischen Huna-Tradition und bedeutet wörtlich Punkt-zu-Punkt Atmung. Diese Atemtechnik stärkt Dein gesamtes Energiesystem, entspannt Dich und kann sogar Blockaden lösen.

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Mehr Konzentration: Atmen im Quadrat

Viele von uns halten die Luft an, sobald wir uns auf etwas konzentrieren oder unter Stress geraten – eine schlechte Angewohnheit, die uns gerade in stressigen Situationen Energie raubt. Bei Atmen im Quadrat lernt Dein Körper, tiefe Bauchatmung mit Konzentration zu verbinden, und kann Dich so auch in schwierigen Situationen optimal unterstützen. Eine Atemübung, die Du immer wieder üben kannst!

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Vier Tipps für den Alltag

Mit diesen vier Tipps lernst Du, Deinen Atem immer besser zu nutzen, um Deinen Alltag mit viel Kraft und Energie nach Deinen Vorstellungen zu gestalten.

  1. Starte den Tag mit der Atmung. Bevor Du irgendetwas anderes machst, öffne ein Fenster und nimm ein paar tiefe Atemzüge. Damit schenkst Du Dir selbst als erstes frische Energie, um in Deinen Tag zu starten.
  2. Nimm Dir regelmäßig (gerne mehrmals am Tag) bewusst Zeit für Deine Atmung. Beobachte einfach Deinen Atem oder mach eine Atemübung. Dadurch lernst Du Deine persönlichen Atemmuster immer besser kennen und kannst sie bewusster steuern.
  3. Frage Dich während des Tages immer mal wieder: Atme ich noch? Dadurch lenkst Du Deine Aufmerksamkeit direkt auf Deinen Atem, in den Körper, und kommst ganz im jetzigen Moment an.
  4. Ent-stresse Dich bewusst: Wann immer Du merkst, dass der Stress oder eine Emotion Dich überwältigt – nimm Dir eine kurze Atem-Auszeit und atme bewusst in den Bauch. Dadurch sagst Du Deinem vegetativen Nervensystem, das alles in Ordnung ist. 2 Minuten reichen schon, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Fünf Fun Facts

Zum Abschluss noch ein paar Daten und Fakten:

  1. Wie groß ist die Lunge eigentlich? Bei einem Erwachsenen hat das Organ durchschnittlich eine Länge von 26cm, einen Durchschnitt von 15cm und ist ca. 1,3kg schwer.
  2. Wie lang kann man die Luft anhalten? Der Weltrekord liegt im Moment bei 21 Minuten und 33 Sekunden (das schaffte am 17.09.2011 Peter Colat, ein Schweizer Freitaucher).
  3. Wie weit kann man niesen? Beim Niesen werden Wassertröpfchen (und damit natürlich auch Keime) mit bis zu 165 km/h bis zu fünf Meter weit geschleudert!
  4. Kann man gleichzeitig atmen und schlucken? Nein – das können nur Babys, wodurch das Stillen für sie leichter wird (keine Atempause nötig). Mit ca. 9 Monaten verschiebt sich der Kehlkopf nach unten, dadurch verlieren wir diese Fähigkeit – können aber dafür ganz unterschiedliche Töne hervorbringen und damit sprechen.
  5. Warum seufzt man? Seufzen ist gut! Denn beim Seufzen atmet man tiefer ein und aus als beim normalen Atemrhythmus. Dadurch werden die Lungenbläschen in der Lunge wieder aktiviert, die bei der normalen Atmung häufig in sich zusammenfallen, und man kann wieder freier atmen. Jeder von uns seufzt (häufig unbewusst) mehrmals am Tag.