Klein, aber oho: Mudras lassen sich lose als bestimmte Handhaltungen übersetzen. Hier steckt jedoch viel Power dahinter, denn Mudras können helfen, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen, Energie frei fließen zu lassen, und sogar bestimmte Heilungsprozesse unterstützen. So können sie schnell zu einfach einsetzbaren, hilfreichen Begleitern im Alltag werden.

Der Ursprung des Wortes Mudra

„Mudra“ stammt ursprünglich ab vom Sanskrit-Wort Mud, was Freude, Genuss oder Glück bedeutet. Das Wort Mudra wird übersetzt mit Geste, Siegel oder Haltung. Im Yoga-Kontext werden damit bewusste und systematische Gesten der Hände oder des Körpers ausgedrückt. In diesem Artikel beziehe ich mich nur auf die Hasta Mudras, die Mudras mit den Händen.

Mudras sind eine Art der nonverbalen Kommunikation. Über bestimmte Handstellungen kannst Du Dinge ausdrücken, die Gesten tragen dabei die Wirksamkeit des gesprochenen Wortes bereits in sich. Dies zeigt sich in den verschiedensten Kulturen: In Asien sind Mudras zum Beispiel Teil der Riten und Tänze im Hinduismus und Buddhismus, im Islam verwenden die tanzenden Derwische Handzeichen zur Kommunikation, und im Christentum nutzen katholische Priester bestimmte Mudras beim Segnen der Gläubigen.

Die Wirkung von Mudras

Bereits seit der Antike werden Handgesten in Verbindung mit Atemübungen, Körperstellungen und der Meditation genutzt, um das Wohlbefinden zu steigern. Mudras werden dabei auch als Mantras ohne Worte bezeichnet: Sie können eine Stütze für Körper, Geist und Seele sein, ihnen helfen zur Ruhe zu kommen und sich als Einheit zu verbinden. Dabei können Mudras ganz unterschiedliche Wirkungen hervorrufen, die sich grob in drei Kategorien aufteilen lassen:

Aktivierende Mudras

Viele Mudras helfen dem Geist, sich zu konzentrieren und fokussieren. Durch Mudras kannst Du Dich tief mit Dir selbst verbinden: Dadurch entwickeln sich Gefühle der Stärke, des inneren Friedens und der Kreativität. Das macht Mudras zu einer gut verträglichen, kostenlosen und frei erhältlichen Quelle der Energie.

In diese Gruppe gehört z.B. die Prana Mudra (Mudra der Energie und inneren Stärke), die die Selbstsicherheit fördert und die Energien aktiviert, die Vajrapradama Mudra (Mudra der Zuversicht und Lebensfreude), welche das Herzchakra öffnet und das Urvertrauen stärkt, oder auch die Hakini Mudra (Mudra der Intuition und Kreativität, auch als Obama Mudra oder Merkel Mudra bekannt), die die Gehirnhälften vernetzt und das Gedächtnis aktiviert.

Katharina Holch - Energie im Alltag - Blogartikel - Mudra Yoga - aktivierende Mudras

Beruhigende Mudras

Mudras können auch dabei helfen, überschüssige Energie und Emotionen gehen zu lassen bzw. zu überwinden. Sie helfen bei der Verarbeitung von Gefühlen und reinigen negative Energien, dadurch wirken sie beruhigend und verbinden auch hier wieder Körper, Geist und Seele zu einem Ganzen.

In diese Kategorie fällt z.B. die Tse Mudra, die bei Wut und Depression hilft, negative Energien abzubauen, oder auch die Uttarabodhi Mudra, die Ängste und Panik lösen kann. Ein weiteres Beispiel ist die Durga Mudra, welche Nervenkraft und Selbstbewusstsein stärkt.

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Heilende Mudras

Eine weitere Wirkung von Mudras besteht in der Unterstützung bestimmter Funktionen des Körpers. Durch die gezielte Stimulierung der Hand-Chakren bzw. der Meridiane, die in den Händen beginnen oder enden, kann die Energie freier durch den Körper fließen und der Energiehaushalt gleicht sich aus. So kannst Du z.B. die Bronchien mit der Svasa Nalika Mudra kräftigen, dem Körper bei der Entgiftung mit der Apana Mudra unterstützen, oder mit der Mukula Mudra gezielt gegen Schmerzen vorgehen.

Darüber hinaus sind Mudras hervorragend dazu geeignet, Finger, Hände, Gelenke, Arme, Schultern beweglich und gesund zu halten. Die regelmäßige Dehnung und Streckung bringt Bewegung in die sonst teilweise nur sehr einseitig genutzte Muskulatur und hält den Körper flexibel.

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Mudras und Energie

Deine Finger sind voller Power! Energetisch gesehen sind die Finger die Schnittstelle zwischen Deiner persönlichen Energie und der Energie des Universums, und wie über Antennen kannst Du über die Finger die universelle Energie empfangen. Mudras helfen Dir dabei, diese Antennen in die optimale Stellung zu bringen.

In den Händen und Fingern enden bzw. beginnen zahlreiche Nervenbahnen. Schon kleinste Bewegungen stellen hier wichtige Verbindungen im Nervensystem her. Durch Mudras kannst Du bestimmte Nerven anregen oder beruhigen.

Auf energetischer Ebene steht jeder Finger für ein bestimmtes Element der Natur, und durch bestimmte Mudras können wir die Energie der Elemente balancieren und neu ausrichten. Auch die Chakren können durch spezielle Chakren-Mudras stimuliert werden. Diese leiten die Energie zu einem bestimmten Chakra und unterstützen dadurch die Öffnung des Chakras. Wenn die Elemente im Gleichgewicht und die Chakren geöffnet sind, kann die Energie frei durch Deinen Körper fließen und es entstehen Gesundheit und Wohlbefinden.

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Mudras im Alltag nutzen

Das großartige an Mudras ist: Fast jeder kann sie ausführen! Man muss weder besonders gelenkig, sportlich oder dünn sein – nur die Finger werden benötigt. Man braucht auch keine Yoga-Erfahrung oder spirituelle Ausrichtung, um mit Mudras zu arbeiten. Darüber hinaus kann man Mudras nach einiger Übung grundsätzlich überall und zu jeder Zeit ausführen, was sie so alltagstauglich macht. Je nach gewünschtem Effekt kannst Du Dir eine Mudra aussuchen, die sich für Dich stimmig anfühlt – und los geht’s!

Aufwärmen

Bevor Du loslegst, ist es sinnvoll, Deine Finger, Hände, Arme und Schultern etwas aufzuwärmen und den Energiefluss zu aktivieren. Dazu kannst Du z.B. Deine Hände massieren, die Handgelenke kreisen, die Finger aneinander klopfen und einzeln in jede Richtung dehnen. Du kannst mit den Schultern rollen, Armkreise machen und Deine Arme in jede Richtung ausstrecken. Ein paar Übungen reichen, um Deine Hände und Arme vorzubereiten.

Eine Intention setzen

Wenn Du mit der Mudra-Praxis beginnst, nimm Dir Zeit – Mudras wirken ganzheitlich und müssen mit einer klaren Intention oder Absicht verbunden und gerade zu Beginn mit voller Aufmerksamkeit ausgeführt werden. Diese kannst Du z.B. durch eine Affirmation festlegen, die Du mental immer wieder wiederholst. Dein Körper lernt mit der Zeit, die Mudra mit bestimmten Wirkungen und Gefühlen zu assoziieren, so dass Du nach einiger Übung die Mudra jederzeit und überall anwenden kannst und die gewünschte Wirkung erzielst.

Die Mudra halten

Anfangs lässt sich die Praxis am besten in eine Meditation einbinden; dazu brauchst Du zu Beginn Ruhe und Konzentration. Such Dir dazu einen ruhigen Ort. Du hast Dir bereits eine Mudra und eine für Dich passende Affirmation ausgewählt. Gehe dabei ganz intuitiv vor – die passende Mudra wird sich gut anfühlen und die Affirmation wird in Dir resonieren. Sitz oder steh aufrecht, mit gerader Wirbelsäule, so dass die Energie frei fließen kann. Achte bei der Atmung auf tiefe, entspannte Bauchatmung (wenn Du mit Yoga vertraut bist, nutze gerne die Ujjayi-Atmung).

Lass Deine Hände dann die Mudra formen und konzentriere Dich auf deine Affirmation. Sag sie Dir entweder laut oder in Gedanken immer wieder vor, und verbinde Dich dabei mit der Mudra. Versuche Dich in die Mudra hinein zu fühlen und dabei Deine ganze Aufmerksamkeit auf Deine Affirmation zu lenken.

Halte die Mudra so lange, wie es sich für Dich gut anfühlt. Laut Mudra-Lehre braucht der Körper ca. 30 Sekunden, um den elektromagnetischen Schaltkreis zu schließen, und die Mudra sollte mindestens zwei bis fünf Minuten gehalten werden. Im Endeffekt kommt es jedoch darauf an, dass es für Dich funktioniert – das kann mal länger und mal kürzer sein.

Für die Wirkung ist es unabdingbar, dass Du die Mudra regelmäßig und dauerhaft hältst. Wenn Du die Arbeit mit Mudras neu beginnst, suche Dir zu Beginn eine Mudra aus und praktiziere diese täglich, gerne auch mehrmals, zusammen mit Deiner gewählten Affirmation. Je häufiger Du übst, desto greifbarer wird die Wirkung, und desto mehr kann Dich die Mudra auch im normalen Alltag unterstützen. Probier es einfach mal aus!

Kleiner Helfer für den Alltag

Sobald Du geübter im Umgang mit Deiner gewählten Mudra bist, kannst Du sie auch in Alltagssituationen integrieren. Sie lassen sich leicht z.B. in der Jackentasche halten, oder auch einfach ganz offen. Dadurch werden sie Dir zum Alltagsbegleiter, der Dich in vielen Situationen zielgerichtet unterstützen kann.

Stell Dir zum Beispiel vor, Du möchtest Deine Konzentration stärken und hast Dir dazu die Hakini Mudra ausgesucht. Nachdem du sie bewusst mit Deiner Affirmation für ein paar Wochen täglich geübt hast, hilft sie Dir auch in stressigen Situationen, Dich voll konzentrieren zu können – z.B. vor oder auch in einem wichtigen Meeting oder Gespräch.

Ein weiteres Beispiel ist das Loslassen von negativen Emotionen, z.B. von Wut. Dazu kannst Du Dir zum Beispiel die Tse Mudra aussuchen. Nachdem Du mit der Mudra geübt hast, ältere Emotionen zu verarbeiten, kann sie Dir auch im Alltag in akuten Situationen, z.B. während eines Streits, beim Umgang mit Deinen Emotionen behilflich sein.

Meine persönlichen drei Lieblings-Mudras

Für mich sind Mudras ein hervorragender Weg, meine Yoga-Praxis zu erweitern und mit in den Alltag zu nehmen. Auch in den Yoga-Stunden und Workshops, die ich halte, sind die Mudras immer mit im Gepäck. Meine persönlichen Lieblings-Mudras sind:

Cin Mudra

Auch Gyan Mudra genannt: Die Mudra der Ruhe und Klarheit

Die Cin Mudra stärkt die mentale Kraft und hilft, auch in stressigen Situationen ruhig zu bleiben. Sie fördert die Konzentration, hilft bei hohem Blutdruck und bei Schlafstörungen, und kann sogar bei der Suchtbekämpfung unterstützen. Die Cin Mudra wird auch häufig zur Meditation eingesetzt.

Katharina Holch - Energie im Alltag - Blogartikel - Mudra Yoga - Cin Mudra
Cin Mudra

Um diese Mudra zu halten, führe Daumen und Zeigefinger einer Hand mit leichtem Druck aneinander. Die restlichen Finger sind entspannt gestreckt. Du kannst die Hände drehen und beugen und die Mudra im Stehen und Sitzen ausführen – je nachdem, was sich für Dich gut anfühlt. Eine Affirmation zu dieser Mudra kann z.B. sein: Ich bleibe ruhig. Oder auch: Ich konzentriere mich jetzt.

Tse Mudra

Die Mudra gegen Aggressionen

Die Tse Mudra hilft, Aggressionen, wie z.B. Wut, loszulassen – auch im Nachhinein! Wichtig ist, das negative Emotionen nicht einfach beseitigt werden, sondern Du nimmst das Gefühl wahr, akzeptierst es, und lässt es dann gehen. Die Tse Mudra kann sehr unauffällig ausgeführt werden und somit ein großartiger Begleiter im Alltag sein. Sie kann sogar unterstützend bei Depressionen wirken, da hier auch häufig unbewusste Aggressionen eine Rolle spielen.

Katharina Holch - Energie im Alltag - Blogartikel - Mudra Yoga - Tse Mudra
Tse Mudra

Lege für diese Mudra den Daumen in die Handfläche und schließe die anderen Finger um den Daumen herum zur Faust. Wenn Du mit der Tse Mudra an Aggressionen arbeiten möchtest, geh in das Gefühl hinein und spanne dabei die Faust fest an. Sag dann Deine Affirmation, atme bewusst tief aus und löse dabei die Faust langsam wieder auf. Eine passende Affirmation könnte z.B. sein: Ich lasse meine Wut los.

Apana Mudra

Die Mudra der Entgiftung

Wie erwähnt können Mudras auch heilende Wirkung haben, und zwar sowohl auf körperlicher wie auch auf psychischer Ebene. Die Apana Mudra ist eine Energie Mudra und regt die Leber und Gallenblase an, zu entgiften. Außerdem harmonisiert sie die Grundstimmung und stärkt Deine innere Zuversicht.

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Apana Mudra

Lege für die Apana Mudra die Kuppen von Daumen, Mittel- und Ringfinger aneinander. Zeigefinger und kleiner Finger bleiben entspannt gestreckt. Um eine Entgiftungskur mit dieser Mudra zu unterstützen, halte es ein bis zwei Wochen jeden Tag für fünf bis zehn Minuten, gerne auch aufgeteilt über den Tag. Eine passende Affirmation könnte sein: Ich lasse alles los, was mir schadet.

Bonus: Physische und psychische Bedeutungen der Finger

Wie schon erwähnt sind Deine Finger voller Power. Je nachdem, welche Mudra Du anwendest, stimulierst Du damit sowohl auf körperlicher Ebene unterschiedliche Sinne und Körperfunktionen, als auch auf auch auf psychischer Ebene bestimmte Bereiche.

Der Daumen wird körperlich assoziiert mit der Verdauung, den Muskeln und Sehnen, und dem Sehsinn. Auf psychischer Ebene repräsentiert er Innere Stärke, Willenskraft, Selbstwert, Selbstvertrauen, Mut und Charisma. In der Mudra-Lehre wird den einzelnen Fingern auch eine übergreifende Bedeutung gegeben: Der Daumen reguliert Sorgen.

Dem Zeigefinger auf physischer Ebene zugeordnet sind Atmung/Lunge, Arme, Hände und der Tastsinn. Emotional steht er für Freiheit, Freude, Liebe, Vergebung und Dankbarkeit. Übergeordnet verringert der Zeigefinger Angst.

Auf körperlicher Ebene werden dem Mittelfinger Kehle, Mund, Ohren, Augen, Gesicht und der Hörsinn zugeordnet, auf psychischer Ebene steht er für Selbstentfaltung, Kreativität und Kommunikation. Der Mittelfinger vertreibt Wut.

Der Ringfinger wird assoziiert mit dem Skelett, Immunsystem, den Füßen, Beinen und dem Geruchssinn. Emotional steht er für Stabilität, Erdung und Sicherheit; dafür, ganz im Moment verwurzelt zu sein. Der Ringfinger mildert Trauer.

Der kleine Finger schließlich wird auf physischer Ebene assoziiert mit den Körperflüssigkeiten, dem Fortpflanzungssystem und dem Geschmackssinn. Auf psychischer Ebene werden ihm Loslassen, Anpassungsfähigkeit und allgemeine Gesundheit zugeordnet. Der kleine Finger zügelt Übereifrigkeit.

Nicht zuletzt wird mit der Handfläche die allgemeine Kontrolle der Sinne und des Körpers assoziiert und sie steht für Konzentration, Klarheit, Intuition und Intelligenz.

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